Coffee-Table-Book

Im Jahr 2015 hatte ich meine ersten Gehversuche als Dragqueen. Es war eine sehr lange Reise, bis ich zu der Dragqueen wurde, die ich heute bin. Wie ich zum Namen kam und was der Ursprung von Erika ist, kann man in der Origin Story eines Namens nachlesen.

2025 war dementsprechend das Jahr meines 10-jährigen Bestehens – und damit auch die Frage, wie man das gebürtig feiern kann. Da ich aber auch sonst meine Geburtstage kaum feiere, wollte ich nicht einfach nur eine Party machen. Es sollte etwas Nachhaltigeres werden und auch den Weg meines Dragqueen-Sein erzählen. So kam es zu der vagen Idee, ein Buch zu gestalten. Und 2024 wurde damit begonnen, ein Konzept auszuarbeiten.

Die Vorbereitung

In den ersten Überlegungen und dem Zusammensammeln von potenziellem Material wurde aber klar: Viel ist nicht da. Gerade die Anfangszeit wurde selten dokumentiert. Und falls doch, dann war es in einer unzureichenden Qualität für einen Druck, oder ich wusste nicht mehr, wer die Bilder gemacht hat, um ausreichend Credits geben zu können. Also wurde geplant, dass für das Coffee-Table-Book noch extra Fotos gemacht werden.

Die Umsetzung

Da das Budget stark begrenzt war und keine Einnahmen mit dem Buch geplant waren, wurden viele Bilder in den eigenen vier Wänden geschossen. Es wurden Outfits und Konzepte zusammengestellt. Es sollte eine Mischung aus neuen, aber auch alten Looks werden. In diversen Apps wurden Inspirationen zusammengetragen, Schmuck und neue Kleider organisiert und dann doch auch weitere Fotograf*innen angeschrieben. Das Erstellen von neuen Outfitkonzepten war zwar eine weitere Budgetbelastung, jedoch konnte ich so die aktuelle Ästhetik am besten abbilden.

Bilder mit Material aus meinem Bestand zu machen erwies sich dann doch als schwieriger. Zum einen waren manche Kleider einfach mittlerweile aus der Zeit gefallen, oder die Gewichtszunahme über zehn Jahre hat mir ein Tragen mancher Kleider schlichtweg verwehrt. Es begann eine Zeit der Frustration – habe ich mich mit dem Projekt dann doch übernommen? Vieles wurde dann eine Zeit lang geschleift oder ganz liegen gelassen. Der Zeitplan war klar nicht mehr einzuhalten und die Motivation sank weiter.

Der Edit

Im Laufe von 2025 wurde dann doch wieder etwas Schwung aufgenommen. Es wurde erneut im Archiv gewühlt und beschlossen, doch einige der älteren Bilder digital für den Druck hochzurechnen und für das Buch zu verwenden. So kamen auch einige geliebte Outfits hinzu, welche mir sonst nicht mehr gepasst hätten. Irgendwann tat sich dann ein unerwartetes neues Problem auf: Es wurde zu viel. Plötzlich waren es über 200 Seiten und noch einiges geplant. Texte waren noch hinzuzufügen und manches schon für Shootings organisiert – es wurde klar, dass der Umfang reduziert werden musste. Einige Ideen wurden daher zurückgestellt oder vollkommen verworfen, und so manche Fotoserie, welche zwar bereits bestand, dann doch aus dem Buch gestrichen.

Nachdem alles langsam begann, Form anzunehmen, war dann noch etwas Grundsätzliches zu klären: In welchem Format wird das Buch überhaupt? Ich hatte beschlossen, es quadratisch haben zu wollen. Doch lag das Format natürlich auch an der Verfügbarkeit der Druckanbieter. Hier stellte sich quadratisch schnell als … schwierig heraus. Viele hatten es gar nicht im Angebot, bei manchen war es als Sonderformat zum Aufpreis verfügbar und manche Anfragen blieben gänzlich unbeantwortet. Am Ende wurde das Buch mit 21 x 21 cm dann etwas kleiner als geplant.

Das Resultat

Es wurde mit der kleinstmöglichen Auflage von zehn Büchern in Auftrag gegeben. Vor allem, um potenzielle Fehler in den über 200 Seiten nicht in einer großen Produktion zu haben.

Und Anfang 2026 war es dann da. Mein Coffee-Table-Book “ERIKA”. 10 Jahre Dragqueen-Geschichte in einem gebundenen Hardcover-Buch. Dass nur drei der zehn Bücher einwandfrei geliefert wurden und daher nachproduziert werden mussten, war zwar schade, aber verkraftbar – immerhin wurde seitens des Druckanbieters alles schnell abgehandelt.

Schön ist es geworden. Die Beziehung hatte auch gar nicht so stark unter dem Projekt gelitten (Danke, Robert, für die meisten Fotos im Buch, das Layout und die allgemeine Geduld mit einer Diva namens Erika.) und der Zeitplan nur knapp um ein paar Monate nicht eingehalten.

 Mit Stolz kann ich jetzt sagen: Seit ich mit Drag angefangen habe, wollte ich ein Coffee-Table-Book haben. Jetzt hab ich eines.